Es ist ein ziemlich gewohntes Bild, das durch jeden Schüler bestätigt würde. Das Läuten der Pausenglocke, vielfach auch des Gongs, läutet eine freie Zeit ein, eine Zeit nach der sich ein jeder Schüler sehnt. Jeder kennt oder hat das Gefühl gekannt auf dieses auditive Zeichen zu warten, eben bis zu dem Zeitpunkt der “Erlösung”. Nur was wird, wenn man sich nicht mehr auf das Läuten der Glocke freuen kann, weil die Zeiten für einen selbst vorrüber sind?
Es ist irgendwie seltsam. Wir sind 13 Jahre zur Schule gegangen, haben 13 Jahre daraufhin gearbeitet (mal mehr, mal weniger – meistens weniger) die Hochschulreife zu erlangen, und wenn wir so kurz davor stehen, wollen wir sie gar nicht haben. Natürlich freuen wir uns über das Abitur und über ein gutes umso mehr, allerdings sind wir mittlerweile soweit, dass wir nicht einmal mehr von der Schule entlassen werden wollen! Die Schulzeit ist ein entspanntes Leben, man lebt vor sich hin, hat zwar Hausaufgaben, Referate und Klausuren zu bestreiten, das alles aber in einem eng vorgegebenen Rahmen. Dieser Rahmen lässt wenig Platz für Ängste, es entsteht keine “Ohnmacht” aufgrund der vielen Freiheiten, die man besitzt. Jeder hat genügend Freiraum sich selbst zu entfalten, bewegt sich aber im Rahmen seiner eigenen, durch die Schule eng gesteckten, Grenzen.
Vergleichen wir diesen Umstand mit früheren Generationen, fällt schnell auf, dass die Vorausgegangen sich zwar nach der Schulzeit zurücksehnen, aber ihrem Ende ebenso entgegengefieberten. Heute gibt es einfach zu viele Möglichkeiten, zu viele Wege und zu viele Entscheidungen zu fällen. An diese “Freiheiten” sind wir nicht gewohnt. Wir werden von ihr, der Freiheit, erschlagen. Im Umkehrschluss führt das dazu, dass wir eigentlicht gar nicht unser wohlumsorgtes Schüllerleben verlassen wollen. Warum? Ganz einfach, es gibt uns jene Sicherheiten, die uns mit dem Entlassen in die Welt der freien Entscheidung genommen werden. Da scheint es nur noch logisch, dass sich heute nicht mehr nach der Schulzeit zurückgesehnt wird, weil man sie ja eigentlich gar nicht erst verlassen möchte.
André
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1 Antwort bis jetzt ↓
1 Lara // Feb 7, 2010 at 18:04
Wahre Worte, die du da sprichst. Nach 12 Jahren in der Bildungsanstalt, die man mehr oder weniger dort verbracht hat, fällt es Einem schwer, die Perspektiven des “Danach” für sich nutzen zu wollen. Unsereins weiß einfach nicht, was Sache ist, wie die Sache ist und überhaupt.
Es gibt wohl keinen Leitfaden á la “Wie ich mich in der grenzenlosen Freiheit zurecht finde”.
Schöner Artikel. Weiter so! Und falls ihr noch eine Hobby-Philosophin für euer Team sucht, würde ich von Zeit zu Zeit gernen meinen geistigen Sondermüll zur Verfügung stellen. Den Betrieb meines eigenen Blogs habe ich wegen zu viel Aufwand eingestellt…
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